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Flirt beim Sport

Es ist gar nicht lange her, da hätte mich folgende Schlagzeile garantiert zum Kauf eines Magazins oder eines lebenslänglichen Online-Abos verführt: „Der ultimative Ort für die Partnersuche entdeckt. Erfolgschancen so hoch wie nirgendwo sonst.“ Als ehemaliger Langzeitsingle Mitte 30 hatte ich es ja schon überall probiert. Lange Zeit vergeblich.

Am Arbeitsplatz waren alle netten Kollegen immer schon vergeben, in der Bar schienen gutaussehende Männer mundfaul, schüchtern oder schwul zu sein, und im Internet stieß ich ausschließlich auf Kandidaten, die eindeutig nach etwas anderem suchten als nach dauerhafter Zweisamkeit. Umso überraschter war ich, als ich vor kurzem einen Artikel las, in dem das Fitnessstudio als erfolgversprechende Single-Börse angepriesen wurde.

Und nein, es war nicht der Marketing-Gag einer neuen Muckibude, sondern das Ergebnis einer vergleichsweise seriösen Studie. Eingebettet war dieses in einen Beitrag eines Lifestyle-Magazins, in dem flirtwillige Indoor-Sportlerinnen ihre Erfahrungen kundtaten. Eine meinte: „Selten kommt man leichter ins Gespräch als im Fitnessstudio. Man ist sich automatisch nah und hat gleich das Studio oder die Sportart als gemeinsames Thema.“ Eine andere meinte: „Explizit verabreden? Überflüssig! Man trifft sich ohnehin früher oder später wieder. Dass man nicht genau weiß wann, macht die Sache noch aufregender.“ Und eine weitere Sportlerin schrieb: „Die nackte Wahrheit! Nach dem Sport steht man verschwitzt und mit zerzausten Haaren da. Was soll da noch kommen?“

Dazu kann ich nur sagen: Ich war zwischen meinem 17. und meinem 27. Lebensjahr fast täglich beim Sport. Erst, um den Babyspeck loszuwerden – später, um den Anschluss an die sich ständig verändernde Choreographie nicht zu verlieren, und dann, weil ich daneben irgendwie keine anderen Hobbys entwickelt hatte. Ich habe im Holmes Place aber nie auch nur ansatzweise geflirtet, genauso wenig im Meridian oder im Elixia. Weil ich mich dort immer einzig aufs Sporteln konzentriere, weil es mich nervt, wenn mich jemand anglotzt, während ich mit hochrotem Kopf vor mich hin strample, weil ich Männer, die ihre Oberarme mit hunderte Kilo schweren Hanteln und mit dicker Ader am Hals aufpumpen einfach nicht sexy finde. Sorry. Es ist unfair. Ich weiß. Und in etwa so, als ob sich ein Mann eine gertenschlanke Frau an seiner Seite wünscht, aber genervt ist, wenn sie nur an Salatblättern knabbert.

Neulich war ich mit meinem vierjährigen Patenkind im Hallenbad. Während M. mit den anderen Kindern planschte und auf der Kinderrutsche nach unten sauste, lag ich mit den anderen „Elternteilen“, zumeist Singles beider Geschlechter, im seichten Wasser. Wir unterhielten uns über die Reformläden in der Umgebung, schimpften über die langen Wartezeiten für Kita-Plätze und diskutierten über den Umgang der Kleinen mit Fremden. Ich muss zugeben, der Papa der schwarz gelockten Emelie war schon ziemlich heiß in seinen engen Badeshorts. Und wenn ich inzwischen nicht vergeben wäre, würde ich da vermutlich jetzt öfter hinpilgern, das Alibi-Kind im Schlepptau.

Erschienen in: clivia 7/16

Foto: Fotolia


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