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Kein Blut im Schuh

Mal angenommen, ich hätte zehn Wünsche beim Universum frei. Dann wäre dieser sicher darunter: bequeme Stilettos, in denen ich gut laufen – und tanzen – kann. Ich finde hohe Absätze nämlich toll, aber meine Füße sind einfach nicht dafür gemach. Zu deutlich sind die Erinnerungen an schmerzende Zehen, Ballen, Fersen. Und so trage ich im Club meistens bequeme Ankle Boots. Denn eines weiß ich bestimmt: Für die falschen Schuhe gibt es keine richtige Party.

Vergangenen Winter habe ich meine Freundin in Kalifornien besucht. Ihr Zufluchtsort, wenn hierzulande Minusgrade herrschen. Am Flughafen von Los Angeles schwall mir warme Luft entgegen und ein: „Wir fahren nach Las Vegas.“ Freudestrahlend stand sie da mit ihrer frohen Kunde. P.’s Euphorie wurde aber bald getrübt, als sie mir nämlich beim Kofferauspacken über die Schulter sah: Sommerkleider, Sportklamotten, Sandaletten, Stiefel. „Damit kannst du aber nicht ins Partymekka fahren“, sagte sie bestimmt. Du brauchst ein sexy Dress und Schuhe. Mit hohen Absätzen, schwindelerregende am besten.“

Kurz schwappten Horrorszenarien durch mein Gehirn. Von der Berliner Fashion Week, als ich meine neuen Monster-Stilettos trug und schon auf dem Weg zur Veranstaltung blutende Blasen hatte. Oder von der Hochzeit meiner Cousine, bei der ich auf der Toilette saß und mir mit schmerzverzerrtem Gesicht die Fußballen rieb. Aber na gut, dass ich in meinen Sneakers niemals Einlass zu den angesagtesten Feten des Planeten bekommen würde, leuchtete mir ein. Also gingen wir shoppen. Ein bordeauxrotes Minikleid habe ich an diesem Tag gekauft – und Sandalen mit zentimeterhohem Plateau. Das waren die einzigen Schuhe, in denen ich im Laden halbwegs über die Runden kam.

Was soll ich sagen: Las Vegas war der Hammer. Meine Freundin P. stöckelte und ich glitt über den hell erleuchteten Strip, vorbei am Springbrunnen vorm „Bellagio“, in die Spielbanken des „Caesars Palace“ und des „Mirage“. Angeschickert von den Gratis-Drinks stellten wir uns schließlich in die Endlosschlange vor einem neuen Club. Weil P. Profi ist und Warten hasst, hat sie mich nach vorne gezogen, ein paar Worte mit dem Türsteher gewechselt (ich habe keine Ahnung wie sie das immer macht), schon waren wir drin. Auf meinen Plateaus wippte ich zu den Klängen der House-Musik, ließ mir Gin Tonics spendieren und habe mit New Yorker Anwälten auf Junggesellenabschied geflirtet. Um fünf Uhr morgens hatte uns die Frischluft wieder. Meine Füße brannten, aber hey, sie hatten nicht schlapp gemacht. Barfuß sind wir auf dem warmen Asphalt kichernd zum Hotel gelaufen. Die Sandalen stehen jetzt im Keller, weil ihre quietschbunten Riemchen nicht zu den ansonsten dezenten Deko-High-Heels in meiner Garderobe passen. Aber ich weiß, wenn mal ein Event mit dem Motto „Las Vegas“ ansteht, bin ich gerüstet. Wenn mich die Erfahrung etwas gelehrt hat, dann das: Jede Party verlangt nach dem richtigen (schmerzfreien) Schuhwerk.

Erschienen in: clivia 12/15

Foto: Fotolia


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