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Abenteuerspielplatz Stadt

Im Kajak durch Betonschluchten, auf dem Flugplatz surfen oder durch Höhlen unter der City tauchen. Es gibt Städte, die mehr Risiko als eine rote Ampel bieten.







1. Wildwasser in Columbus
Nein, es ist nicht das letzte Boot vorm Untergang der Stadt, sondern nur ein kleiner Höllenritt auf dem Chattahoochee im US-Städtchen Columbus, Georgia. Gespeist aus dem Wasser des Lake Eufaula schwillt der 77 Kilometer lange Fluss oft zu einem reißenden Strom heran, der mitten durch die Stadt prescht. Seit Langem liegt auf ihm der Wohlstand der Region begründet. Einst wurde Baumwolle über das Wasser nach New Orleans gebracht – und der Landstrich so zu einem wichtigen Industriezentrum. Jetzt schlagen die Bürger wieder Kapital aus dem brodelnden Stadtfluss. Ein neuer Wildwasserpark zieht Draufgänger wie Anfänger an.
Kosten: Ca. 14 Euro Leihgebühr für ein Kajak
Infos: www.whitewaterexpress.com

2. Abhängen in Kapstadt
Absolut schwindelfrei sollten Sie schon sein, wenn Sie über den schroffen Rand des Tafelbergs steigen. Dann aber heißt es, sich einfach ins Kletterzeug fallen zu lassen und seine Nerven im Griff zu haben. Denn plötzlich ist nur noch steile Wand, die Sicht nach oben zu den Sicherheitsleuten durch die Felsen verbaut. Die gesamte Abseilstrecke beträgt knapp 110 Meter, die ersten 90 Meter geht es schnurstracks an der Felswand herunter. Den restlichen Weg kann jeder, der sich traut, frei pendeln.
Kosten: Ca. 48 Euro für Einweisung, Begleitung und Ausrüstung
Infos: www.abseilafrica.co.za

3. Ballonfahren in Melbourne
Es gibt nur wenige Großstädte, die man im Heißluftballon überfahren darf. Die australische Metropole ist eine davon. Während die Stadt noch schläft, steigt das Fluggerät dem Sonnenaufgang entgegen. Weil Ballons immer nur den Winden folgen, ist die Route vorher nicht zu bestimmen. Hafen, Eureka-Tower und die Formel-1-Strecke im Albert Park sind aber nicht zu übersehen.
Kosten: Ca. 262 Euro für eine Ballonfahrt mit anschließendem Champagnerfrühstück
Infos: www.balloonovermelbourne.com.au

4. Big Swing in Durban
Vor allem die Deutschen haben keine gute Erinnerung an dieses WM-Stadion. 2010 wurden sie in der Moses-Mabhida-Arena von den Spaniern nach Hause geschickt. Aber sicher sind alle trüben Gedanken verflogen, wenn man sich dort von einem Stahlgerüst aus 106 Metern mit 120 Stundenkilometern übers Fussballfeld herabschwingen lässt. Wer Nerven wie Drahtseile hat, kann dabei die Aussicht auf die freundlichste Stadt Südafrikas genießen.
Kosten: Ca. 48 Euro für einmal Schwungholen
Infos: www.bigrush.co.za

5. Trekking in Hongkong
Verstopfte Straßen, hektische Menschen, hupende Autos: Das ist nur die halbe Wahrheit über Hongkong. Es hat nämlich auch eine grüne Seite. Zwei Drittel des Gebiets, das aus 262 Inseln besteht, sind unbebaute Natur. Und so liegt die nächste Wanderroute meist nur eine kurze U-Bahn-Fahrt entfernt. Statt Edelweiß wachsen Azaleen, statt Kühen sieht man Affen. Statt Serpentinen führen überall steile Wege direkt nach oben. Einmalig ist aber auch der Blick auf die Stadt.
Kosten: Ca. 48 Euro für eine geführte Wanderung auf dem Drachenrücken
Infos: www.walkhongkong.com

6. Fliegen in Rio de Janeiro
Pepe Lopez hat Christus schon früh in die Augen geblickt. In den Siebzigerjahren umflog der spätere Drachenflugweltmeister als Erster die berühmte Statue von Rio mit seinem Flugdrachen. Inzwischen gibt es mehr als 100 zertifizierte Tandempiloten in der Stadt. Und der Himmel zwischen dem Startpunkt auf dem Berg Pedra Bonita in 520 Metern Höhe und dem Ziel am Strand von São Conrado ist stets bunt gefleckt. Ein paar schnelle Schritte müssen Sie über die Holzrampe laufen, bevor Sie den Boden unter den Füßen verlieren. Aus dieser Perspektive sieht der Regenwald aus wie ein riesiges Brokkolifeld. In der Ferne können Sie den Zuckerhut ausmachen, so manches Adlerauge sogar Strandschönheiten.
Kosten: Ca. 128 Euro für einen Tandem- Drachenflug inklusive Anfahrt
Infos: www.riohanggliding.com

7. Hochseile in Kopenhagen
Die Dänen gelten als besonders glückliches Volk. Liegt es daran, dass sie irgendwie auf der Höhe sind? Für die Brüder Flemming, Glenn und Ole Jensen jedenfalls war keine Rampe jemals zu steil. Und wenn sie nicht gerade auf Masten kletterten, prügelten sie sich wie die Bekloppten. Jahrzehnte später haben sich die drei dann aber doch zusammengerauft und eine Halle in einer Schiffswerft angemietet. Nicht um Boote zu bauen, sie haben lieber eine Kletterwand aufgestellt. Und spannten Seile in 50 Meter Höhe. Seitdem balancieren die Besucher im anspruchsvollsten Indoor- Hochseilgarten der Welt auch schon mal auf allen vieren. Die Herausforderung? Bloß nicht auf die ausrangierten Schiffscontainer fallen.
Kosten: Ca. 53 Euro als Eintrittspreis für vier Stunden Nervenkitzel in luftiger Höhe
Infos: www.urbanrangercamp.dk

8. Streetsurfen in Berlin
So ein stillgelegtes Flugfeld ist schon eine feine Sache. Nachdem 2008 der letzte Flieger in Berlin-Tempelhof gestartet war, ist dort ein riesiger Freizeitpark entstanden; so breit wie 500 aneinandergelegte Fußballfelder, ist es der größte Stadtpark in Europa, noch weitläufiger als der New Yorker Central Park. Inlineskater fliegen über den Asphalt, Radler fahren coole Tricks im Kreis, Streetsurfer lassen sich bei ausreichend Wind die Segel aufblasen und fegen über die Start- und Landebahn. Die Stadt hat aber andere, noch größere Pläne mit dem Areal. Sie will Spiel- und Sportplätze anlegen, einen Kletterberg und einen See mit künstlichem Wellengang errichten. Wenn es nach den Planern geht, sollen hier bald mannshohe Wogen geritten werden. Aber nicht jeder in Berlin ist davon überzeugt, es gibt viele Bürger, denen das dann eindeutig zu abgehoben klingt.
Kosten: Ca. 59 Euro für einen Kitelandboarding-Kurs
Infos: www.berliner-kiteschule.de

9. Base-Jumping in Kuala Lumpur
Das ist mehr als nur eine verrückte Idee. Um sich ohne Netz und doppelten Boden von einem Hochhaus, einer Antenne oder einem Felsen zu stürzen, braucht man jahrelange Vorbereitung und gute Nerven. Base-Jumping ist in den meisten Ländern verboten – was für einige einen besonderen Adrenalinkick bedeutet. Hier jedoch melden sich Kandidaten aus mehr als 20 Ländern zum jährlichen Springen vom Menara-Fernseh-Tower an – polizeilich erlaubt. 100 Auserwählte stürzen sich dann aus knapp 300 Meter Höhe mitten auf die Stadt. Sie haben nur Sekunden, um den Fallschirm zu öffnen. Manche nutzen die Zeit für ein paar Überschläge. Ein Nervenkitzel, auch für die Zuschauer.
Termin: Vom 26. bis 29.9.2014 wird wieder gesprungen – an vier Tagen und in drei Nächten
Infos: www.kltowerjump.com

10. Höhlentauchen in Budapest
Wie Äste verzweigen sich die engen Kanäle, die vor Jahrmillionen geflutet wurden. Enge Höhlen mit porösen Kalkfelsen direkt unter der Stadt. Gänge, aus denen sich Hallen, so groß wie Kathedralen, auftun. Und deren helles Gestein im klaren Wasser funkelt. Inzwischen hat sich Budapest an Menschen in Neoprenanzügen in der Altstadt gewöhnt. Mit Pressluftflaschen stapfen sie durchs Burgviertel, bis eine Kellertür sie verschluckt. Wie weit sich die Molnár-János-Höhlen genau erstrecken, weiß keiner so genau. Bislang wurde eine Strecke von 5 Kilometern und eine Tiefe von 90 Metern erschlossen. Für Amateurtaucher sollte aber nach ein paar Hundert Metern Schluss sein. Zu gefährlich.
Kosten: Ca. 55 Euro für zwei Tauchgänge unter der ungarischen Hauptstadt
Infos: www.titanbuvar.hu

Erschienen in: Free Men's World 3/14

Foto: Ralph Daniel Photography


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